Ein Schuljahr im Zeichen des Wassers

Ein fächerübergreifender Ansatz auf Schulebene

«Es hat sehr Spass gemacht, allgemein habe ich viel über das Wasser gelernt. Mir war nicht bewusst, dass wir an einem Tag so viel Wasser verbrauchen»
Schüler, Pratteln. Foto: © Schule Pratteln

Kurzbeschrieb

​​Während eines Schuljahres stellte die Schule Aegelmatt in Pratteln das Thema Wasser in den Mittelpunkt ihres Unterrichts. Die Schülerinnen und Schüler setzten sich mit Wasser in seinen vielfältigen Erscheinungsformen auseinander, erforschten seine grundlegende Bedeutung für alles Leben und untersuchten, wie der Mensch diese wertvolle Ressource nutzt. Dabei erlebten sie Wasser auch mit allen Sinnen.  

Jede Klasse näherte sich dem Thema auf eigene Weise: Während einige den Brunnenmeister in Pratteln besuchten, tauchten andere im Aquarium des Zoo Basel in die Welt der Wasserlebewesen ein. Weitere Klassen erkundeten mit einer Fachperson von Pro Natura den Bach in der Nähe der Schule, gingen den Spuren des Bibers in der Umgebung nach oder besichtigen ein Kraftwerk, die Abwasserreinigungsanlage der Gemeinde oder eine Quelle. Die Schule organisierte zudem einen Spieltag mit verschiedenen Wasserspielen, und selbst beim Schlittschuhlaufen wurde das Eis als besondere Form von Wasser thematisiert.  

​Auch im Unterricht wurde Wasser fächerübergreifend aufgegriffen: Im Deutschunterricht lasen die Kinder beispielsweise Geschichten und Bilderbücher dazu, im Bildnerischen Gestalten entstand eine Ausstellung zum Thema. Eine besondere Bedeutung kam dem Musikunterricht zu. Während des ganzen Jahres sangen die Schülerinnen und Schüler aller Klassen Lieder rund ums Wasser und übten passende Tänze ein. Zum Abschluss des Jahres wurden diese in einer gemeinsamen Aufführung mit professionellen Musikern und Musikerinnen auf der Bühne des Gemeindezentrums präsentiert. 

Bildungsziele

Die Schülerinnen und Schüler…

  • nehmen Wasser als sinnliches Element wahr.
  • können bewusst mit Wasser umgehen und sich als Teil der Umwelt verstehen.
  • nehmen aktiv an der Entwicklung des Projekts teil.
  • Verstehen durch die Aktivitäten die ökologischen, sozialen und technischen Herausforderungen einer nachhaltigen Wassernutzung.
  • können ihre Auftrittskompetenz verbessern.

Besondere Stärken

  • Durch die klassenübergreifenden Aktivitäten ist das Kollegium stärker zusammengewachsen. Die gemeinsame Aufführung am Schluss, bei der alle Beteiligten anwesend waren, hat zu einem «Wir-Gefühl» geführt.
  • Da sich die Schülerinnen und Schüler durch das Projekt besser kennenlernten, gab es weniger Konflikte auf dem Pausenplatz.
  • Das Projekt zeigt eine starke Kohärenz mit Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE): Es verfolgt einen systemischen Ansatz, bezieht Lehrpersonen und Lernende aktiv ein, ist interdisziplinär und lokal verankert und fördert die gezielt wichtige Querschnittskompetenzen.

Planung und Durchführung

Themenwahl und Finanzhilfen

Das Thema Wasser ist ein ideales BNE-Thema, weil es ökologische, soziale und wirtschaftliche Fragen verbindet. Es macht globale Ungleichheiten sichtbar, hat einen starken Alltagsbezug und ermöglicht Lernenden, nachhaltiges Handeln, Verantwortung und vernetztes Denken zu entwickeln. Aus diesen Gründen entschieden sich die Projektverantwortlichen für das Jahresthema Wasser und reichten bei éducation21 einen Antrag auf Finanzhilfen ein, der bewilligt wurde.

Input von éducation21

Zum Auftakt des Projekts nahm das gesamte Kollegium der Schule Pratteln an einem Input von éducation21 teil. Dabei erhielten die Lehrpersonen eine Einführung in die Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) und lernten verschiedenen Dienstleistungen und Materialien zum Thema «Wasser» kennen (Themendossier, Lernmedien, Ausserschulische Akteure, Praxisbeispiele). 

Ausflüge

Auch besondere Projekttage und Exkursionen wie das gemeinsame Ablaufen aller Brunnen in der Gemeinde, der Besuch beim örtlichen Brunnenmeister oder ein Naturerlebnistag mit Pro Natura wurden frühzeitig geplant und in enger Absprache mit den beteiligten Fachpersonen organisiert. Dafür benötigte es folgende Vor- und Nachbereitung: 

  • Partner einbinden: Lokale Akteure auswählen, kontaktieren und Programm sowie Ziele festlegen.
  • Vorbereiten: Klassen zu Aktivitäten und Sicherheit informieren.
  • Begleiten: Exkursionen mit Lehr- und Fachpersonen durchführen.
  • Nachbereiten: Erkenntnisse im Unterricht und in Projekten vertiefen.
Fächerübergreifendes Lernen

Die Lehrpersonen des Schulhauses Aegelmatt konnten das Thema «Wasser» individuell und fächerübergreifend in ihren Unterricht einbetten. Ideen und Lernmedien zum Thema entnahmen sie unter anderem dem Themendossier Wasser von éducation21.

Aktivitäten auf Schulebene

Übergeordnete, gesamtschulische Aktivitäten wie das gemeinsame Singen und Tanzen im Rahmen der grossen Aufführung wurden von einer Steuergruppe bestehend aus drei Lehrpersonen initiiert und koordiniert. Sie übernahmen auch die Organisation und engagierten die Musikerinnen und Musiker für den Anlass.
Damit eine Aufführung mit 260 Kindern gelingt, braucht es eine präzise und vorausschauende Planung. Im Schulhaus Aegelmatt wurde dieser Prozess partizipativ gestaltet: Das Kollegium arbeitete gemeinsam an der Umsetzung, sodass sich alle Lehrpersonen aktiv einbringen und Verantwortung übernehmen konnten.

Organisation

Steuergruppe

Für die Organisation des Projekts wurde eine Steuergruppe ins Leben gerufen, bestehend aus drei Lehrpersonen. Sie übernahmen die Koordination sämtlicher klassenübergreifenden Aktivitäten und sorgten für einen reibungslosen Ablauf der gemeinsamen Veranstaltungen.

Die Erfahrung zeigte: Eine frühzeitige Planung ist zentral für den Erfolg eines solchen Projekts. So nahm die Steuergruppe die Vorbereitungsarbeiten bereits eineinhalb Jahre vor der Aufführung in Angriff. Alle Lehrpersonen des Schulhauses haben sich beim Kick-off des Projekts verpflichtet, einen Beitrag mit ihrer Klasse für die Aufführung zu leisten. Dieses Vorgehen hat sich als zielführend herausgestellt.

Budget und Finanzierung

21 000 Fr. (Finanzhilfe éducation21)

Pädagogische Methoden

Entdeckendes Lernen

Das Thema Wasser eignet sich sehr gut für entdeckendes Lernen, denn es lässt sich auf vielfältige Weise erleben und erforschen. Während des «Wasserjahres» fand im Unterricht und bei den Projekten immer wieder entdeckendes Lernen statt, zum Beispiel beim Besuch eines Baches. Durch dieses forschende, sinnliche Lernen entwickelten die Schülerinnen und Schüler ein tieferes Verständnis für ökologische Zusammenhänge und für die Bedeutung von Wasser als lebenswichtige Ressource.

Partizipation

Während des «Wasserjahres» wurde auf zwei Ebenen partizipativ gearbeitet: Im Kollegium des Schulhauses und mit den Schülerinnen und Schülern. Die Lehrpersonen nutzten den Austausch im Kollegium, um Ideen zu teilen, Konzepte zu entwickeln und gemeinsam zu entscheiden, welche Aktivitäten umgesetzt werden sollen. Gleichzeitig wurden auch die Kinder aktiv in die Gestaltung des Jahres einbezogen. Sie konnten ihre Ideen und Anliegen zum Thema Wasser einbringen – und einige ihrer Vorschläge fanden Eingang in die konkrete Umsetzung.

Beurteilung

Im Lehrerteam fand eine Auswertung durch eine SWOT-Analyse mit Leitfragen statt. Die SWOT-Analyse ist ein strategisches Instrument, mit dem ein Projekt, eine Organisation oder eine Idee anhand von vier Schlüsselbereichen bewertet werden kann. Das Akronym steht für Strengths (Stärken), Weaknesses (Schwächen), Opportunities (Chancen) und Threats (Risiken).

Zusätzlich wurden im Klassenverbund bei den Schülerinnen und Schülern Rückmeldungen eingeholt.

Herausforderungen für den/die Befragte/n

Steuergruppe

Die Steuergruppe setzte sich aus drei Lehrpersonen des Zyklus 1 zusammen. Dies erschwerte stellenweise die Einbindung der Lehrpersonen aus den anderen Zyklen. Es empfiehlt sich daher, dass alle Zyklen in der Steuergruppe vertreten sind, um eine breite Abstützung und vielfältige Perspektiven sicherzustellen sowie den verschiedenen Altersgruppen gerecht zu werden.
Eine transparente Kommunikation seitens der Steuergruppe ist zudem zentral. Lehrpersonen sollten frühzeitig einbezogen werden, damit die Verantwortung für die Organisation nicht ausschliesslich bei der Steuergruppe liegt. Ebenso wichtig ist es, dass gemeinsam getroffene Abmachungen im Team als verbindlich betrachtet und verlässlich umgesetzt werden.

Partizipation

Nicht alle Vorhaben, die partizipativ geplant waren, konnten schlussendlich auch umgesetzt werden – oftmals fehlten dafür die nötigen zeitlichen Ressourcen. Die Erfahrung zeigt: Partizipation gelingt nur dann, wenn ausreichend Zeit für gemeinsame Prozesse eingeplant wird. Es kann sinnvoll sein, sich auf wenige, dafür wirklich partizipativ gestaltete Elemente zu konzentrieren, anstatt viele Beteiligungsmöglichkeiten anzustreben, die dann nicht umsetzbar sind.

Einfach umzusetzen ?

Grundsätzlich gilt: Je mehr Akteurinnen und Akteure an einem Projekt beteiligt sind, desto höher ist der Anspruch an Planung und Koordination. Dennoch kann dieses Projekt gut realisiert werden – vorausgesetzt, die lokalen Gegebenheiten stimmen und die Organisation verläuft strukturiert.
Das Projekt lässt sich zudem flexibel gestalten und in unterschiedlichem Umfang umsetzen. So ist es beispielsweise möglich, dass sich einzelne Klassen nur an bestimmten Elementen – etwa der Abschlussaufführung – beteiligen, während andere Klassen das gesamte «Wasser-Jahr» aktiv mitgestalten. Diese Offenheit ermöglicht es, das Projekt an die jeweiligen Ressourcen und Möglichkeiten der beteiligten Lehrpersonen anzupassen.

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In Kürze

Schlüsselwörter
Wasser, Partizipation, Musik
Schulstufe
Schulhaus Aegelmatt
Mitglied des Schulnetz21
Ja
Anzahl Schülerinnen und Schüler (SuS)
260
Ort
Pratteln
Kanton
Zeitlicher Aufwand
Mittelfristig
Dauer
1 Jahr
Vorbereitungszeit
Eineinhalb Jahre, Steuergruppe ca. 150 Lektionen
Form der Bewertung
andere